E-MTB gebraucht kaufen: Worauf du wirklich achten solltest

Ein gutes E-MTB erkennst du nicht am Datenblatt, sondern an dem Tag, an dem du 1.200 Höhenmeter am Stück hochfährst und oben noch Lust auf die Abfahrt hast. Beim Gebrauchtkauf kommt eine zweite Wahrheit dazu: Der Zustand zählt mehr als das Baujahr. Wir haben täglich gebrauchte E-Mountainbikes auf dem Montageständer – und sehen dabei ziemlich genau, welche Bauteile halten, welche Prospektzahlen im Gelände wenig bedeuten und woran du ein gutes gebrauchtes E-MTB von einem teuren Fehler unterscheidest.

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Ist ein gebrauchtes E-MTB das Richtige für dich?

Die kurze Antwort: sehr wahrscheinlich ja – wenn du weißt, worauf du schaust. Ein solides Trail-Fully mit Full-Power-Motor, vernünftigen Bremsen und brauchbarem Akku kostet neu schnell fünfstellig. Gleichzeitig passiert der größte Wertverlust in den ersten ein, zwei Jahren, während die Technik bei guter Wartung deutlich länger hält. Genau diese Schere macht den Gebrauchtmarkt so attraktiv: Du bekommst für dasselbe Budget ein bis zwei Ausstattungsklassen mehr Bike.

Der Haken beim Privatkauf: Die zwei teuersten Bauteile – Akku und Motor – kannst du von außen nicht beurteilen. Ein makellos poliertes Bike kann eine müde Batterie haben, ein zerkratztes eine kerngesunde. Deshalb läuft dieser Guide in zwei Schichten: zuerst die Frage, welches E-MTB überhaupt zu dir passt (die ist bei Neu- und Gebrauchtkauf identisch) – und dann die Frage, woran du den Zustand eines gebrauchten Bikes erkennst. Beim refurbished Kauf übernimmt den zweiten Teil eine Werkstatt für dich; beim Privatkauf bist du selbst die Qualitätskontrolle.

Hardtail oder Fully: die erste Weichenstellung

Bevor es um Motoren und Wattstunden geht, steht die Grundsatzfrage – und die hängt allein davon ab, wo du fahren willst.

Das Hardtail hat nur vorne eine Federgabel, hinten ist der Rahmen starr. Das macht es günstiger, leichter und deutlich wartungsärmer: keine Hinterbaulager, kein Dämpfer, der Service braucht. Auf Forststraßen, Schotterwegen und einfachen Trails ist ein Hardtail effizient und völlig ausreichend – und gerade am Gebrauchtmarkt ist es die unterschätzte Wahl, weil weniger Verschleißpunkte auch weniger versteckte Mängel bedeuten. Für alle, die vor allem Touren fahren und keine Bikepark-Ambitionen haben, ist ein gutes gebrauchtes Hardtail oft das ehrlichere Angebot als ein billiges Fully.

Das Fully federt vorne und hinten. Das bringt Kontrolle, Komfort und Traktion – bergab sowieso, aber auch bergauf auf Wurzeln und Stufen, wo das Hinterrad am Boden bleibt statt zu springen. Dafür ist es teurer, schwerer, und Dämpfer plus Hinterbaulager wollen gewartet werden. Beim gebrauchten Fully ist die Service-Historie deshalb Teil des Preises: Ein vernachlässigter Dämpfer ist ein versteckter Kostenfaktor.

Hardtail oder Fully – die Abwägung

Vorteile
  • Hardtail – günstiger bei gleicher Ausstattung
  • Hardtail – weniger Wartung, keine Hinterbaulager
  • Hardtail – leichter und mit weniger versteckten Verschleißpunkten beim Gebrauchtkauf
  • Fully – mehr Kontrolle und Komfort bergab, mehr Traktion bergauf
  • Fully – größerer Einsatzbereich
Nachteile
  • Hardtail – weniger Traktion auf verblocktem Untergrund
  • Hardtail – anstrengender auf langen Abfahrten, Grenzen im Bikepark
  • Fully – teurer, Dämpfer- und Lagerservice kommt dazu, schwerer
  • Fully – Zustand hängt stärker an der Pflege des Vorbesitzers

Welches Fully passt zu dir? Die vier Kategorien

Entscheidest du dich fürs Fully, sortiert sich der Markt über den Federweg – er sagt dir mehr über den Einsatzbereich als jedes Marketing-Label:

  • Cross-Country (XC), 100–120 mm: leicht, effizient, auf Vortrieb gebaut. Für sportliche Touren und flowige Trails – nicht für grobes Geläuf.
  • Trail, 130–150 mm: der Allrounder und für die meisten die richtige Antwort. Genug Reserven für ruppige Abfahrten, noch effizient genug bergauf – vom Feierabendtrail bis zur alpinen Tagestour.
  • Enduro, 160–180 mm: für Abfahrten mit echtem Gefälle, Bikeparks und technisches Gelände. Bergauf träger, bergab souverän.
  • Downhill, ab 180 mm: Lift- und Shuttle-Terrain. Als Tourenbike ungeeignet – und am Gebrauchtmarkt oft härter rangenommen worden als jede andere Kategorie. Hier doppelt genau hinschauen.

Ein Gebraucht-Hinweis dazu: Je mehr Federweg, desto wahrscheinlicher war das Bike im Park oder auf harten Trails unterwegs. Das ist kein Ausschlusskriterium – aber ein Grund, Fahrwerk, Lager und Rahmen entsprechend kritischer zu prüfen.

Light-E-MTB oder Full Power?

Quer zu den Kategorien läuft eine zweite Entscheidung: Light oder Full Power. Light-E-MTBs mit 50–60 Nm wiegen oft 17–20 kg und fahren sich fast wie ein unmotorisiertes MTB – dafür musst du selbst mehr leisten. Full-Power-Bikes liegen eher bei 22–26 kg und nehmen dir am Berg deutlich mehr ab. Es gibt hier keine bessere Antwort, nur eine ehrliche: Willst du weiter oder willst du spielerischer fahren?

Für den Gebrauchtmarkt relevant: Light-E-MTBs sind eine junge Kategorie – das Angebot an gebrauchten Modellen wächst gerade erst, und die Preise sind entsprechend stabiler. Gebrauchte Full-Power-Bikes gibt es dagegen in großer Auswahl über alle Preisklassen.

Rahmen, Geometrie und Größe

Die Rahmengröße nach Körpergröße zu wählen, funktioniert bei modernen E-MTBs nur noch bedingt – die Geometrien sind über die Jahre länger und flacher geworden. Aussagekräftiger ist der Reach, also die horizontale Distanz vom Tretlager zum Steuerrohr. Ein flacher Lenkwinkel um 64–66° gibt bergab Ruhe, ein steilerer macht das Bike in engen Kehren wendiger. Eine absenkbare Sattelstütze ist an einem E-MTB kein Luxus, sondern das Bauteil mit dem größten Effekt auf dein Sicherheitsgefühl.

Beim Gebrauchtkauf heißt das konkret: Vergleiche den Reach des Wunschbikes mit aktuellen Geometrietabellen, nicht nur den Größenbuchstaben – ein "L" von 2019 kann kürzer ausfallen als ein "M" von 2024. Und am Rahmen selbst schauen wir zuerst dorthin, wo Kräfte zusammenlaufen: Steuerrohr, Tretlagerbereich, Ausfallenden, Dämpferaufnahmen. Jedes Lager auf Spiel prüfen – ein ausgeschlagenes Hinterbaulager ist reparabel, aber es sollte vor dem Kauf bekannt sein, nicht danach.

Laufräder und Reifen: 29 Zoll, 27,5 Zoll oder Mullet?

Bei den Laufradgrößen hat sich der Markt weitgehend sortiert:

  • 29 Zoll: rollt besser über Hindernisse, hält die Geschwindigkeit und ist heute der Standard an Touren- und Trail-E-MTBs.
  • 27,5 Zoll: agiler und verspielter, dreht leichter in engen Kehren – und bei kleinen Rahmengrößen oft die passendere Wahl.
  • Mullet (29" vorne / 27,5" hinten): der Kompromiss, der sich vor allem an Trail- und Enduro-Bikes durchgesetzt hat: Überrollverhalten vorne, Wendigkeit hinten.

Für den Gebrauchtkauf gibt es hier zwei Dinge zu wissen. Erstens: Ältere E-MTBs (grob bis Baujahr 2019/2020) fahren häufig auf 27,5" mit besonders breiten Plus-Reifen (2,8"). Die Bikes sind deshalb nicht schlecht – aber der Plus-Trend ist vorbei, und die Reifenauswahl in diesen Breiten wird dünner. Zweitens: Laufräder gehören zu den am stärksten belasteten Bauteilen am E-MTB. Felgen auf Dellen und Schläge prüfen, Speichenspannung fühlen, Naben auf Lagerspiel checken.

Bei den Reifen gilt: Robuste Karkassen kosten Rollwiderstand und sparen dir Pannen – am unteren Ende der Preisskala wird hier am häufigsten gespart. Abgefahrene Reifen sind beim Gebrauchtkauf kein Mangel, sondern ein Verhandlungsargument: Sie zeigen ehrlich, wie viel das Bike gelaufen ist.

Motor: Warum 120 Nm allein nichts über den Berg sagen

Das Drehmoment ist die Zahl, mit der E-MTBs verkauft werden. Sie beschreibt das Schubpotenzial – wie kräftig der Motor am Tretlager zupackt, besonders bei niedriger Trittfrequenz. Nützlich zu wissen, aber sie erzählt nur den Anfang der Geschichte.

Entscheidend ist, wie die Kraft kommt: Wie fein die Sensorik dosiert, wie schnell der Motor auf Antritte reagiert, wie er sich bei Dauerlast verhält. Stell dir die klassische Almauffahrt vor: 40 Minuten gleichmäßig bergauf auf Schotter, 800 Höhenmeter, keine Pause. Das ist ein Thermik-Test, kein Sprint. Spitzenleistung hilft an kurzen, steilen Rampen und auf verblockten Stufen – auf dem langen Weg zur Hütte zählt, dass der Motor seine Leistung stabil hält und dass du ihn sauber dosieren kannst, wenn das Hinterrad auf Schotter zu rutschen beginnt.

Und ganz ehrlich: Der Unterschied zwischen 85 und 120 Nm ist im Gelände deutlich kleiner als der Unterschied zwischen guter und schlechter Traktion. Wer 120 Nm ins nasse Wurzelfeld schickt, dreht durch – und steht.

Die aktuelle Motorengeneration im Überblick

Die aktuelle Generation ist so stark wie nie – und sie wird per Software immer stärker: Bosch hat den CX Gen 5 über kostenlose Updates von 85 auf bis zu 120 Nm gehoben, DJI hat mit den Avinox-Motoren M2 und M2S das obere Ende der Leistungsskala neu definiert, und im Light-Segment liefern sich Bosch, Fazua und TQ ein Rennen um das natürlichste Fahrgefühl. Für dich als Gebrauchtkäufer:in ist diese Tabelle die Referenz: Sie zeigt, was der Markt heute kann – und junge Gebrauchte mit diesen Motoren sind oft der beste Deal, weil sie den Neupreis-Wertverlust schon hinter sich haben.

Aktuelle E-MTB-Motoren (Herstellerangaben)

MotorMax. DrehmomentSpitzenleistungGewichtCharakter
Bosch Performance Line CX (Gen 5)bis 120 Nm (ab Werk 85 Nm, per Update freischaltbar)750 W2,8 kgFull Power. Der Allrounder mit dem dichtesten Servicenetz – per kostenlosem Software-Update inzwischen bei 120 Nm und 600 % Unterstützung.
DJI Avinox M2110 Nm (Turbo) / bis 125 Nm im Boost-Modus1.100 W (Boost)2,65 kgFull Power. Der neue Einstieg in die Avinox-Familie – digital gedacht, extrem kraftvoll, junges Ökosystem.
DJI Avinox M2S130 Nm (Turbo) / bis 150 Nm im Boost-Modus1.500 W (Boost)2,59 kgFull Power. Das aktuelle Topmodell am Markt – Leistungsdichte, die vor zwei Jahren undenkbar war.
Shimano EP80185 Nm600 W2,68 kgFull Power. Harmonisch, sehr fein dosierbar, ruhige Kraftentfaltung.
Fazua Ride 6060 Nm450 W (Boost)1,96 kgLight. Sportlich, für Fahrer:innen mit eigenem Antritt.
Bosch Performance Line SX60 Nm600 W2 kgLight. Agil und leicht, will hohe Kadenz – dank Software-Update von 55 auf 60 Nm gestiegen.
TQ HPR6060 Nm350 W1,9 kgLight. Sehr leise, sehr natürliches Fahrgefühl – Nachfolger des HPR50 mit spürbar mehr Schub.

Motoren am Gebrauchtmarkt: Die Generationen 2019–2025

Wer gebraucht kauft, kauft selten den neuesten Motor – und das ist völlig in Ordnung. Die Antriebe der letzten Jahre sind ausgereift, und einige davon sind heute die zuverlässigsten am Markt, schlicht weil ihre Kinderkrankheiten längst auskuriert sind. Zwei Dinge aus der Werkstatt, die auf keinem Datenblatt stehen: Ein Motor, der im Wiegetritt oder bergab metallisch klackert, hat oft Lagerspiel – hörbar lange, bevor etwas ausfällt. Und die Ökosystem-Frage ist beim Gebrauchtkauf keine Nebensache: Ersatzakkus, Diagnose, Firmware, Ersatzteile – bei Bosch, Shimano und Yamaha ist das auch nach fünf Jahren noch selbstverständlich, bei sehr jungen Systemen weiß das heute niemand.

Häufige Motoren am Gebrauchtmarkt (Herstellerangaben)

MotorMax. DrehmomentSpitzenleistungGewichtCharakter
Bosch Performance Line CX Gen 4 (ca. 2020–2024)85 Nm600 W2,9 kgFull Power. Der mit Abstand häufigste Gebrauchtmotor: robust, riesiges Servicenetz, Ersatzteile problemlos. Bleibt bei 85 Nm – die 120-Nm-Updates gelten nur für den Gen 5.
DJI Avinox M1 (2024–2026)105 Nm (Turbo) / bis 120 Nm im Boost-Modus (30 s)850 W / 1.000 W im Boost2,52 kgFull Power. Der Motor, der den Markt aufgemischt hat – inzwischen vom M2/M2S abgelöst und als junger Gebrauchter zunehmend verfügbar.
Shimano EP8 / EP800 (ab 2020)85 Nm500 W2,6 kgFull Power. Leicht und harmonisch; Shimano erlaubt offiziell Drittanbieter-Akkus – ein Plus, wenn irgendwann ein Ersatzakku fällig wird.
Shimano E8000 (ca. 2016–2020)70 Nm2,8 kgFull Power. Sehr robust und weit verbreitet, aber hörbar lauter als die Nachfolger.
Yamaha PW-X2 / PW-X3 (ca. 2019–2024)80 / 85 Nm2,75 kg (X3)Full Power. Unauffällig im besten Sinn – robust, wartungsfreundlich, oft an Haibike und Winora verbaut.
Brose Drive S Mag / Specialized 2.x (ca. 2019–2023)90 Nm2,9 kgFull Power. Sehr leise dank innenliegendem Riemen. Service-Historie erfragen – frühe Baujahre hatten bekannte Riemenprobleme, bei gewarteten Motoren längst behoben.
TQ HPR50 (2022–2025)50 Nm300 W1,85 kgLight. Pionier der Minimal-Assist-Klasse, flüsterleise und ultrakompakt – vom HPR60 abgelöst, gebraucht eine feine Wahl für sportliche Fahrer:innen.

Akku: Was die Reichweite wirklich bestimmt

Kilometerangaben von Herstellern sind im Gelände fast wertlos – nicht weil sie gelogen wären, sondern weil die Reichweite von zu vielen Faktoren gleichzeitig abhängt:

  • Terrain und Höhenmeter: der größte Hebel. Bergauf frisst ein Vielfaches der Energie einer flachen Strecke.
  • Untergrund: Asphalt rollt, Schotter bremst, weicher Waldboden und Trails kosten am meisten.
  • Systemgewicht: Fahrer:in plus Bike plus Gepäck. Eine leichte Fahrerin holt aus demselben Akku deutlich mehr heraus als ein 90-Kilo-Fahrer mit Rucksack.
  • Unterstützungsstufe und Eigenleistung: Turbo halbiert die Reichweite gegenüber Eco locker – wer selbst mittritt, fährt weiter.
  • Jahreszeit: Unter dem Gefrierpunkt verlierst du 15–25 % Reichweite, ganz ohne Defekt.
  • Kleinigkeiten, die sich summieren: Reifenprofil und -druck, Gegenwind, Stop-and-go statt gleichmäßigem Rhythmus.

Für die Planung musst du das nicht selbst ausrechnen: Der Bosch Reichweiten-Assistent ist ein interaktives Tool, das all diese Faktoren abfragt und eine realistische Schätzung liefert – auch als grobe Orientierung, wenn dein Wunschbike keinen Bosch-Motor hat. Und nach ein paar Wochen auf den eigenen Hausrunden entwickelst du ohnehin ein Gefühl dafür, wie viel Akku deine typische Tour braucht.

Als grobe Einordnung beim Kauf: 400–500 Wh reichen für Feierabendrunden und hügeliges Gelände, 600–750 Wh sind der heutige Standard für Tagestouren mit ordentlich Höhenmetern, und für Mehrtagestouren gibt es Range Extender. Wichtig ist die Gegenrechnung: Der größere Akku wiegt selbst mit und verschlechtert das Handling. Ein 630-Wh-Bike, das dir passt, bringt dich weiter als ein 800-Wh-Panzer, den du nicht gern fährst.

Akku-Gesundheit: der wichtigste Punkt beim Gebrauchtkauf

Werkstatt-Tipp

Der Akku ist das teuerste Verschleißteil am E-MTB – und das einzige, dessen Zustand du nicht sehen kannst. Was zählt, sind Ladezyklen und Diagnosewerte, nicht die Optik: Beim Bosch-System liest jede Fachwerkstatt den Zustand in Minuten aus, bei Shimano und anderen geht das über die Hersteller-Diagnose. Beim Privatkauf solltest du auf diesem Auslesen bestehen – oder den Preis so verhandeln, als wäre der Akku am Ende seines Lebens. Als Faustregel hält ein gepflegter Akku 500 bis 1.000 volle Ladezyklen, also bei normaler Nutzung mehrere Jahre. Wer den Akku über den Winter bei 30–60 % Ladung kühl und trocken lagert, hat Jahre später messbar mehr davon.

Bremsen, Antrieb, Fahrwerk: hier zeigt sich E-MTB-Verschleiß zuerst

Ein E-MTB bewegt 25 Kilo Rad plus Fahrer:in schneller und häufiger bergab als ein normales Mountainbike. Das merken zuerst die Verschleißteile – und genau daran erkennst du beim Gebrauchtkauf, wie ein Bike behandelt wurde.

  • Bremsen: Vierkolben-Bremsen mit 200 oder 203 mm Scheiben vorne sind am E-MTB kein Overkill, sondern Standard. Zweikolben-Bremsen mit 180 mm sind auf langen Abfahrten schnell am Limit. Belagstärke und Scheibendicke sind Minuten-Checks – und häufige Verhandlungspunkte.
  • Antrieb: Kette und Kassette verschleißen am E-MTB deutlich schneller. Eine gelängte Kette, die auf eine verschlissene Kassette trifft, ist der Klassiker – und wer nur die Kette tauscht, tauscht zwei Wochen später auch die Kassette. Kettenlehre mitnehmen oder mitbringen lassen.
  • Federelemente: Gabel und Dämpfer haben Serviceintervalle. Ölspuren an den Standrohren und fehlende Service-Historie sind ein versteckter Preisfaktor – ein Ölwechsel ist überschaubar, ein vernachlässigter Dämpfer nicht.

Prüfpunkte am gebrauchten E-MTB

BauteilWorauf achtenWarum es zählt
AkkuLadezyklen, Diagnosewerte, Gehäuse ohne SturzspurenTeuerstes Bauteil, Zustand von außen nicht sichtbar
MotorKlackern bergab, Lagerspiel, DichtheitGeräusche kommen vor dem Defekt
Kette & KassetteKettenlängung messen, Zahnprofil ansehenVerschleißt am E-MTB schneller als am Bio-Bike
BremsenBelagstärke, Scheibendicke, DruckpunktSicherheitsrelevant, häufig fällig
LaufräderFelgen auf Dellen, Speichenspannung, NabenspielStark belastet, Schäden oft übersehen
HinterbaulagerSpiel prüfen, Knarzen unter LastGünstig zu tauschen, teuer zu ignorieren
Gabel & DämpferÖlspuren, Service-HistorieWartungsstau ist ein versteckter Preisfaktor
RahmenSteuerrohr, Tretlagerbereich, Ausfallenden, DämpferaufnahmenRisse dort, wo Kräfte zusammenlaufen

Privat kaufen oder refurbished?

Alles, was in diesem Guide steht, kannst du beim Privatkauf selbst prüfen – mit Zeit, Werkzeug und etwas Erfahrung. Was du nicht ändern kannst: Privat gekauft bleibt ein E-MTB eine Wette auf zwei Bauteile, die du nur per Diagnose beurteilen kannst, ohne Gewährleistung und ohne Rückgaberecht.

Genau dort setzt refurbished an: Jedes Bike wird von Mechaniker:innen geprüft und gewartet, Verschleißteile werden getauscht, der Akku wird ausgelesen – und du bekommst ein Jahr Garantie. Ein UpCenter in Österreich haben wir nicht; die Bikes kommen aus unseren europäischen Werkstätten direkt zu dir nach Hause. Und wenn du dein aktuelles E-MTB loswerden willst: Ankauf machen wir auch.

Fazit

Das Wichtigste in Kurzform

Das gute gebrauchte E-MTB ist nicht das mit den höchsten Zahlen, sondern das, dessen Zustand belegt ist und das zu deinem Terrain passt. Erst den Typ klären: Hardtail für Touren und Wartungsarmut, Trail-Fully als Allrounder, Light oder Full Power je nach Fahrstil. Dann den Zustand prüfen: Akku auslesen lassen, Antrieb messen, Fahrwerk und Lager checken. Ein Motor der Generation 2020–2024 ist kein Nachteil – ein Akku am Lebensende schon. Wenn du dir bei einem Punkt unsicher bist, ist es der Akku.

Häufige Fragen zum Gebrauchtkauf von E-MTBs

Lohnt sich ein gebrauchtes E-MTB?

Ja – wenn der Zustand belegt ist. Der größte Wertverlust passiert in den ersten Jahren, die Technik hält bei guter Wartung deutlich länger. Entscheidend sind Akku-Gesundheit, Antriebsverschleiß und ob jemand vor dir hingeschaut hat.

Wie alt darf ein gebrauchtes E-MTB sein?

Das Baujahr ist weniger wichtig als das Motorsystem und der Zustand. Bikes mit Bosch CX Gen 4, Shimano EP8 oder Yamaha PW-X3 (ab ca. 2020) sind technisch ausgereift und gut mit Ersatzteilen versorgt. Bei deutlich älteren Bikes solltest du prüfen, ob Ersatzakkus für das System noch verfügbar sind.

Wie erkenne ich, ob der Akku noch gut ist?

Nur per Diagnose: Jede Fachwerkstatt kann Ladezyklen und Akku-Zustand auslesen. Beim Privatkauf solltest du darauf bestehen – die Optik des Bikes sagt über den Akku nichts aus. Als Orientierung: Ein gepflegter Akku hält 500 bis 1.000 volle Ladezyklen.

Hardtail oder Fully – was ist für Einsteiger:innen besser?

Wenn du vor allem Forststraßen und einfache Wege fährst, bekommst du beim Hardtail mehr Ausstattung fürs Geld und hast weniger Wartung. Sobald ruppige Abfahrten oder Bikeparks dazukommen, ist ein Trail-Fully die bessere Investition.

Welche Laufradgröße soll ich nehmen?

29 Zoll ist der heutige Standard und rollt am besten über Hindernisse, 27,5 Zoll ist wendiger und bei kleinen Rahmengrößen sinnvoll, Mullet kombiniert beides. Keine der Größen ist falsch – nur bei alten 27,5-Plus-Bikes mit 2,8"-Reifen solltest du die schrumpfende Reifenauswahl einkalkulieren.

Wie viel Drehmoment brauche ich?

Für lange Auffahrten reichen 85 Nm völlig aus – dort beginnen Full-Power-Motoren, und auch die häufigsten Gebraucht-Motoren liegen genau da. Wichtiger als die Spitzenzahl ist, dass der Motor unter Dauerlast stabil bleibt und sich fein dosieren lässt. Light-Motoren mit 50–60 Nm funktionieren am Berg ebenfalls, verlangen dir aber mehr eigene Leistung ab.

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